Informationen zu Ess-Störungen

Night Eating Syndrom

Nächtliches Essen, auch Night Eating Syndrom (NES)

Unter dem Begriff Night-Eating-Syndrom (NES) versteht man eine Nahrungsaufnahme, die sich stark in die Abend- und Nachtstunden verschiebt. Meist findet dabei zwischen 50 und 75 Prozent der täglichen Kalorienaufnahme nach dem Abendessen statt. Häufig geschieht dies anfallsartig und ist mit dem Gefühl verbunden, die Kontrolle über das Essen zu verlieren. Im Gegensatz zur Bulimie erbrechen die Betroffenen das Gegessene jedoch nicht wieder und nehmen in den Essanfällen insgesamt geringere Mengen als bei der Binge-Eating Störung zu sich. Menschen die unter einer NES leiden, können adipös oder normalgewichtig sein.


Tagsüber haben Nachtesser meist wenig, bis gar keinen Appetit und essen daher bis zum frühen Abend nur etwa ein Drittel der gesamten täglichen Nahrungsmenge. Mit dem Abendessen beginnt dann das starke Verlangen nach kohlenhydratreicher Nahrung. Dies hat eine erhöhte Insulinausschüttung zur Folge, durch die es wiederum zu weiteren Heißhungerattacken und erneutem nächtlichen Erwachen kommen kann. Betroffene leiden somit unter massiven Schlafstörungen, denn viele Nachtesser können durch den als quälend erlebten Hunger nicht wieder einschlafen, ohne etwas gegessen zu haben. Morgendliche Appetitlosigkeit, Schlafstörungen sowie depressive Stimmung können die Folge von diesem Essverhalten sein.


Durch das nächtliche Essen kommt es vor allem zu Störungen des Hormonhaushalts von Melatonin und Kortisol. Darin liegen auf Dauer die gesundheitlichen Folgen von NES, denn ein hoher Kortisolspiegel hat großen Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und hohen Cholesterinwerten. Auch die auftretenden Schlafstörungen begünstigen die Entstehung stressbedingter Erkrankungen und Gewichtszunahme. Begleitet wird das Night Eating Syndrom häufig von Depressionen, Angstzuständen und einer erhöhten Neigung zu Suchtverhalten.
Bei übergewichtigen Kindern sollte daher auch an das NES gedacht werden, wenn Eltern ihres adipösen Kindes Schlafstörungen bemerken.
Vorsichtige Schätzungen ergaben, dass etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung an NES leiden. Die Zahl der Betroffenen ist damit in etwa genauso hoch wie bei den drei Hauptformen der Ess-Störungen zusammen. Trotzdem ist das Night-Eating-Syndrom relativ unbekannt und wird häufig medizinisch nicht erkannt.


Die Ursachen für die nächtlichen Ess-Attacken sind noch nicht einwandfrei nachgewiesen. Einige Untersuchungen weisen auf genetische Ursachen hin (vgl. Veröffentlichung der DGESS). Auffällig sind der frühe Beginn der Erkrankung und ein gehäuftes Auftreten innerhalb betroffener Familien. Viele Mediziner gehen auch davon aus, dass NES hauptsächlich durch psychischen Stress und durch Fehlregulation von Hormonen bedingt ist, was auf mögliche Begleiterkrankungen (z.B. Fehlfunktion der Schilddrüse) schließen lässt.


Da NES bislang nur wenig erforscht ist, wird es mangels einer einheitlichen Definition auch nicht im Diagnoseklassifikationssystem ICD-10 aufgeführt.
Es existieren jedoch vorläufige Kriterien einer Forschergruppe welche wir hier nennen möchten.


-    morgendliche Appetitlosigkeit (auch wenn ein Frühstück gegessen wird)
-    mindestens die Hälfte der täglichen Kalorienmenge wird nach der letzten Abendmahlzeit eingenommen
-    ein- oder mehrmaliges nächtliches Aufwachen an mindestens drei Tagen der Woche
-    nächtliche Nahrungsaufnahme besteht überwiegend aus hochkalorischer Nahrung
-    beschriebene Symptome bestehen über mindestens drei Monate
-    Schlafstörungen äußern sich als Einschlaf- und Durchschlafstörungen
-    als zusätzliches Merkmal findet sich bei den Betroffenen eine depressive Verstimmung, die im Laufe des Tages zunimmt

Quellen:
•    Veröffentlichungen von Frau Prof. Martina de Zwaan; Medizinische Hochschule Hannover; Expertin für NES)
•    Zu den Kriterien siehe Birketvedt et. al., 1999

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